Anton

Anton* ist 31 Jahre alt und zurzeit Student in Berlin. Er wurde in Almaty geboren und kam im Jahr 2003 mit 16 Jahren nach Deutschland, wo er zunächst in Sachsen-Anhalt lebte. Auch wenn er die AfD nicht gewählt hat, stimmt er mit den meisten Ansichten überein. Bei den Informationen die er uns während des Gesprächs gegeben hat, kann er nicht hundertprozentig garantieren, ob es sich um die Wahrheit handelt, da er die Informationen selber nur aus den Medien und seinem Bekanntenkreis bezieht, jedoch ist sich Anton dennoch in seinen Aussagen ziemlich sicher.

Würdest du dich als Deutscher, Russe oder Russlanddeutscher bezeichnen?

Ich würde sagen, dass ich mich am ehesten als Deutscher bezeichnen würde, wobei aber der Russe auch in mir ist. Ich vergesse nie, dass mein Vater halb Russe halb Russlanddeutscher war und meine Mutter Russin ist. Außerdem fiebere ich auch für Russland, so bin ich bei der Fußball Weltmeisterschaft genauso für Russland wie für Deutschland. Ich freue mich auch immer etwas Gutes über Russland zu hören.

Denkst du an der medialen Berichterstattung über Russlanddeutsche als typische AfD-Wähler*innen ist etwas dran?

Ich weiß nicht ob es wirklich so ist, denn ich habe sehr viele russlanddeutsche Bekannte und Freunde und ich kenne kaum jemanden der für die AfD ist – das soll schon was heißen. Und ich muss dazu sagen, dass die Leute von denen ich nun rede, aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten kommen. Unter ihnen sind Personen die Hartz 4 empfangen, genauso wie Personen aus der Mittel- und Oberschicht. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis bin ich der Einzige, der die AfD so ein bisschen unterstützt.

Würdest du sagen, dass du zufrieden mit der jetzigen Politik bist, wenn du sagst, dass du die AfD unterstützt?

Ich bin kein richtiger AfD-Wähler. Ich unterstütze nur ihre Politik was einige Ansichten betrifft. Bei den Bundestagswahlen habe ich die AfD nicht gewählt, das wäre mir dann doch auch zu viel gewesen. Aber ich finde deren Politik, die auf jeden Fall in den Medien falsch dargestellt wird – und zwar in allen Medien – eigentlich ganz gut. Das Wahlprogramm der AfD finde ich gut. Ob sie es umgesetzt hätten oder nicht ist natürlich eine andere Frage. Aber das Wahlprogramm der AfD ist mir lieber gewesen als das der CDU oder SPD. Das der SPD fand ich eigentlich auch nicht schlecht, jedoch sehe ich in der Partei einfach keine Führungsperson und deswegen war die SPD für mich keine Wahl.

Teilst du die Ansichten der AfD was zum Beispiel Einwanderung angeht?

Ja, vollkommen. Ich würde nur gerne anmerken, dass wenn ich mich mit jemanden über die AfD und Einwanderungspolitik unterhalte, 95 Prozent der Leute zwar über diese Themen reden, aber nichts darüber wissen. Sie wissen nur das was sie in den Medien aufgeschnappt haben und das ist vollkommener Quatsch. Die AfD war nie rechts, die AfD war nie gegen Einwanderung, nie gegen Flüchtlinge und so weiter. Aber das Gute an der AfD ist, dass sie das alles in Grenzen halten wollen. Und das finde ich gut.

Ich sage gleich dazu, dass wir hier in Berlin sind: Ein Berliner kann nicht einschätzen, ob es sich bei einer Person um einen Flüchtling handelt oder nicht. Ich sage das als jemand, der aus einer kleinen Stadt in Sachsen-Anhalt kommt, wo man schon einen Unterschied gemerkt hat, nachdem die Flüchtlinge kamen. Ich habe auch wirklich nichts gegen Einwanderer, ich sehe auch positive Aspekte in der Einwanderung. Aber das was ich, meine Familie und meine Freunde in meiner Heimatstadt erlebt haben, das ist ein No-Go. Das muss gestoppt werden. Einwanderung muss gesteuert werden. Wer da kommt wird nicht überprüft, das interessiert meiner Meinung nach die Politik da oben gar nicht. Einer meiner besten Freunde ist bei der Bundeswehr und hat an der Grenze zu Österreich den Flüchtlingsstrom mehr oder weniger überwacht. Er hat mir gesagt, dass es ja eigentlich um die syrischen Flüchtlinge ging, doch von 10 Personen die über die Grenze kamen, war maximal ein Syrer dabei, die restlichen Personen waren Tadschiken, Kirgisen, Usbeken, Nordafrikaner – also quasi die Leute, die aus Ländern kommen wo kein Krisengebiet ist. Verstehst du worauf ich hinaus will? Es wird überhaupt nicht überprüft, wer da kommt. Die Politik interessiert sich nicht dafür. Und die AfD wollte eine Überprüfung durchsetzen.

Außerdem ist es wohl so, dass wenn z.B. ein Asylbewerber eine Straftat begeht, es zwar überprüft wird, dann aber meistens unter den Teppich gekehrt wird. Da passiert in den meisten Fällen nichts, das weiß ich von Personen, die bei der Polizei arbeiten. Ich weiß, dass die Fälle anders untersucht werden als bei Deutschen. Wenn ein Deutscher im Supermarkt klaut, wird eine Strafanzeige gestellt und derjenige bekommt eine Strafe und es herrscht Gerechtigkeit. Getan – Bestraft. Bei den Flüchtlingen ist es anders und die AfD wollte einführen, dass ein straffälliger Asylbewerber sofort abgeschoben werden sollte. Und das sehe ich genauso. Wenn sich diese Personen schon bei der Ankunft so zeigen, dann haben sie in unserer zivilisierten Welt nichts zu suchen.

Glaubst du denn, dass die AfD es schaffen würde ihre Vorhaben umzusetzen, also in deren Verständnis, dass Gesetze wieder umgesetzt werden?

Ganz ehrlich: eher nicht. Ich glaube nicht daran und ich habe auch bei der Wahl nicht daran geglaubt. Mir ging es darum, dass die AfD mitmischt, dass sie als Opposition auftritt. Weil beispielsweise die Linke auch für eine Einwanderungspolitik ist, die mir nicht so ganz gefällt, genauso wie die der CDU. Deswegen muss jemand in den Bundestag um die Opposition zu bilden, um die Opposition aufrecht zu erhalten.

Als jemand der selber eingewandert ist – kannst du nicht irgendwo nachvollziehen warum Menschen nach Deutschland streben?

Reden wir jetzt von Flüchtlingen oder Einwanderern, denn das muss man unterscheiden. Ich selbst sehe die Flüchtlingspolitik auch positiv, aber alles in Maßen. Denn da kommen auch gute Leute zu uns, sehr gute Ärzte aus Syrien zum Beispiel. Sehr gebildete Menschen, die unsere Gemeinschaft braucht. Und nicht zu vergessen ist auch der demographische Wandel. Doch man muss diese Menschen besser integrieren. Die ganze Politik muss geändert werden, es muss besser kontrolliert werden und dafür gesorgt werden, dass sich keine Ghettos bilden.

*Der Name wurde geändert. Der Klarname ist der Redaktion bekannt.

Das Interview führte Heinrich. Text von Viktoria.

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